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norbert beier-xanke

peter sloterdijk


kritsche bemerkungen von peter sloterdijk, philosoph und rektor der hochschule für gestaltung in karlsruhe


peter sloterdijk schreibt in seinem buch "du musst dein leben ändern" (2011) über anthropotechnik in einem der letzteren kapitel über kunst:

"jedem betrachter der kunstszene von 1910 bis heute ist klar, dass sich in dieser zeitspanne die
katastrophe der bildenden kunst vollzogen hat." das feld ihres metiers sei zwar erweitert worden, aber...
"dabei haben sie zugleich die fähigkeit verlernt, jeweils am artistisch anspruchsvollsten niveau der vorangehenden generation anzuknüpfen." weiter schreibt er...

"nach der emergenz der artistischen herstellungsmacht in der renaissance, die den künstler als den meister der landschaft, des portraits und der apokalypse gross machte; nach der emergenz der ausstellungsmacht in der frühen moderne, die mit der exibition eines pissoirs begann und zuletzt im sich selber exhibilierenden museum mündete, erleben wir aktuell die
emergenz der kunstmarktmacht, die alle macht den sammlern in die hände legt... es führt von den künstlern, die künstler nachahmen, über die aussteller, die aussteller nachahmen, zu den käufern, die käufer nachahmen."

"es wird in zukunft kaum eine verkehrtheit geben, die sich nicht im aktuellen kunstgeschehen ein beispiel nimmt. der handel mit derivaten war in ihm schon lange etabliert, bevor auch die finanzwelt ins derivategeschäft einstieg. wie das vom doping korrumpierte sportsystem steht auch das
kunstsystem an einem scheideweg:

entweder es geht den weg zur korrumption durch nachahmung des ausserkünstlerischen effekts im ausstellungs und sammlungswesen zu ende und stellt die kunst definitiv als tummelplatz des LETZTEN MENSCHEN bloss,

oder es besinnt sich auf die notwendigkeit, die schöpferische imitation in die werkstätten zurückzuholen und dort die frage aufzunehmen, wie das wiederholungswürdige vom nicht-wiederholungswürdigen zu unterscheiden sei?"

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